Ein Interview
Gerhard Fritz ist der Inhaber des Erlanger Naturkostladens "Vier Jahreszeiten" und ein "alter Hase" im Geschäft. Grund genug, ihn einmal nach seiner persönlichen Sicht auf die Bio-Branche zu fragen.
Seit wann beschäftigen Sie sich mit Naturkost, und wann haben Sie Ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht?
(Lachend) Mit meinen persönlichen Anfängen passe ich sogar ein bisschen in das Klischee, das von Naturkostlern existiert. Ende der 70er Jahre habe ich in Bamberg studiert, Sozialpädagogik, was sonst? – und bin dann mit Freunden aufs Land gezogen. Wir haben im Reformhaus eingekauft und selbst biologisch-dynamischen Gartenbau betrieben. Forsch und neugierig wie ich war, hatte ich bald den Wunsch nach einem eigenen Laden. Und der ging 1984 mit der Eröffnung der "Vier Jahreszeiten" in Erfüllung.
Was ist das Besondere an Ihrem Beruf? Was zeichnet die Bio-Branche im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen aus?
Ganz klar – das sind die Bio-Produkte selbst, weil sie ein richtiges Ge-schmackserlebnis zurückbringen. Dafür wird das Wissen wieder belebt, das im traditionellen Lebensmittelhandwerk steckt, verbunden mit modernen Technologien. Und die Produkte machen es leicht, sich mit dem zu identifizieren, was man tut. Es schmeckt gut – also isst man, verkauft man und lebt man "Bio". Als etwas Besonderes empfinde ich auch die Geschäftsbeziehungen, die nicht auf einen einseitigen und kurzfristigen Vorteil abzielen. Sie sind oft langfristig gewachsen; man kennt sich persönlich. Dabei spielt Vertrauen eine Rolle, aber auch eine strenge Kontrolle der Qualität.
Wie haben Sie die Entwicklung der Bio-Branche in den letzten 20 bis 30 Jahren erlebt?
Mich freut das wachsende Interesse weiter Bevölkerungskreise an der Naturkost und die Tatsache, dass ganz unterschiedliche Menschen "Bio" für sich entdecken. Im selben Maß werden auch Bio-Produkte und ihre Verkaufstellen vielseitiger, vom klassischen Hofladen bis zum Lieferservice im Internet. Die anhaltend positive Entwicklung zeigt, dass die noch junge Bio-Branche auch negative Erfahrungen wie den Nitrofen-Skandal verkraften kann. Das ist ihr gelungen, weil sie die Ereignisse als Chance nutzt und sich weiterentwickelt. Und das stimmt mich zuversichtlich für die Zukunft.
Was macht den Charme des Naturkostladens "Vier Jahreszeiten" aus?
Das können unsere Kunden vielleicht besser beurteilen? Ich würde sagen, der Laden lädt zum Schauen und Probieren ein. Ich mag es, wenn sich das Lebendige der Fußgängerzone hier drinnen fortsetzt, der Stress aber draußen bleibt. Das Publikum ist bunt gemischt, und weil der Laden so gut angenommen wird, können wir ständig frische Ware auslegen.
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